Wenn es klingelt, dann mach do gefällischst de Düre off!


... Das hat sie mal zu mir gesagt, de Sylvia. Und da sie so einen schönen Namen hat, musste ich damit beginnen.

 

Über de Kling, eine Frau,
die
«im Geiste gefräßig» bleibt

VON ELKE MEYER/Dresden:

 

Die 1967 geborene Autorin, Aphoristikerin und Liedtexterin sagt: 

«Mit der Kunst versuche ich, mich der Wahrheit zu nähern», und sogleich zieht sie Schlüsse:

 

«Das Leben ist kein Ponyhof, eher ein Schweinestall», schmettert sie mir in sächsischer Mundart entgegen und zwinkert. Wer ihr genau zuhört, weiß: Sie geht tiefer. In ihrem sarkastisch-animalischen Text «Schweinerei» wird es schon in der ersten Verse tierisch menschlich.

 

Ja, man sollte diese Frau erleben, wenn sie von todernsten Themen zum «klugen Mäuserich» schwankt, eigene Schwächen auf die Schippe nimmt oder zu Antikriegsthemen taumelt, die bei Veranstaltungen die Gäste verstummen lassen. Sylvia Kling lebt bei Dresden, als wäre nichts.

 

Dabei ist so viel. Ihre Stimme geht unter die Haut und ganz gleich, welchen Ton sie anschlägt: Spätestens wenn sie zu singen beginnt - z. B. von ihrer Deutschlehrerin, die sie noch immer verehrt, und von John Lennon -, um zu resümieren, dass ihr die Kinderschuhe nicht mehr passen, wissen alle: Nicht perfekt sein ist genial.

Denn: Es ist egal, ob sie alle Töne haargenau trifft: Es KLINGt bei den Gästen bis in die kleinen Zehen nach. Mit geradezu komödiantischem Geschick, dem sich niemand entziehen kann, wirft sie treffsicher Verbalkanonen in die Menge, ohne jemanden zu verletzen. 

Dabei wirkt sie, als wäre ihr genau das in die Wiege gelegt worden.

 

Mich hat Sylvia von Anfang an in ihren Bann gezogen. Sie redet so schnoddrig, dass ich mir den Bauch vor Lachen halten muss und beinahe ohne Übergang greift sie Themen auf, die jegliche Oberfläche aufkratzen muss.  Ich erinnere mich: Als sie einmal damit fertig war, über Gott und die Welt zu philosophieren, klopfte sie mir kräftig auf die Schulter und rief: "Jetzt brauch isch abor ä Schälchen Heeßes, 's hält do sonst keener aus!"

 

Wie auch immer. Leser oder Zuhörer bekommen das Gefühl, Sylvia Kling hätte deren eigene Tiefen durchlebt. Sie vermittelt damit jene Wärme und Empathie, die so manch einen in dieser schnelllebigen Zeit zu erreichen vermag. Gesellschaftliche Missstände greift sie ohne belehrenden Zeigefinger auf. Und wenn einer es so auffasst, dann hat es seinen Grund ..., nu wohr?

 

Sylvia Kling ist im gesamtdeutschen Projekt «Gegen das Vergessen» engagiert, welches an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern soll. 2015 gründete sie auf Facebook eine gleichnamige Gruppe mit inzwischen über 500 Mitgliedern.

 

Ich bedanke mich für dieses überwältigende Statement zu meiner Person bei Elke Mayer. Mit ihrer Erlaubnis habe ich es übernommen. 

Es verzeihe mir der geneigte Leser und Freund des geschriebenen oder gesprochenen Wortes, dass ich mich fremder Zunge bediene.

 

Ihre Sylvia Kling