Mitten im Januar

 

Wie jeden Morgen lüfte ich meine Lieblingskammer,

bevor ich meine Gedanken mit Buchstaben fülle.

Am Fenster tanzen Schneeflocken. Mitten im Januar ist Winter.

Niemand ist darüber noch erstaunt. Man hat andere Sorgen.

 

Die Kapitäne wollen das Schiff mit Vernunft steuern

und schippern an den Ertrinkenden vorbei.

Kaum einer interessiert sich für die Toten.

Sie haben sich den Lebenden zu erklären.

 

Vom Winter sind sie nicht überrascht. Mitten im Januar.

Nicht mal die Skeptiker, die ihre Maske lüften.

Die Wissenden sammeln sich. Wohin das Auge blicket.

Ein Paradoxon? Dabei wussten wir schon lange genug.

 

Die albernen kleinen Engel mit den goldenen Flügeln

auf dem aufgeschlagenen Buch hocken vor mir.

Jetzt weiß ich, warum ich sie behalten habe.

Sie könnten mir die Kadenz spielen. Im Keller meiner Seele.

 

Welch ein Hohn! Später fahre ich wieder an die Elbe,

mit den Gefiederten scheue Blicke austauschen.

Die Luft wird sich dehnen, während ich das Wasser rot sehe.

 

Mitten im Januar.

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